Papierlos in die Zukunft - BVMW

Papierlos in die Zukunft

Die BerlinerZimmer-Gruppe bietet individuelle Systemlösungen für kleine und mittelständische Unternehmen. Ihren Bekanntheitsgrad, sogar bei Microsoft, verdankt sie vor allem der Idee vom papierlosen Büro.

Er ist ein Visionär. René Zimmer, Gründer und Inhaber der Zimmer-Gruppe, träumt von der Verwirklichung des Projekts Arbeit 4.0. Mit seinem papierlosen Büro, dem ersten und bisher einzigen dieser Art in ganz Deutschland, will er die heutige Arbeitswelt revolutionieren und deren Digitalisierung voranbringen. Von Microsoft als „Papierlos-Papst“ bezeichnet, glaubt er fest daran, dass sich die Gesellschaft in einem tiefgreifenden Wandel befindet. Die nötige Erfahrung, um seine Ziele zu realisieren, hat er. Schon 1989, als er sich noch mitten im Studium der Technischen Informatik befand, gründete er ein erstes Unternehmen für Softwareentwicklung. Zehn Jahre später entstand das erste Unternehmen der heutigen Zimmer-Gruppe. Es folgten weitere mit unterschiedlichen Schwerpunkten – insgesamt zehn Firmen hat Zimmer während seiner Laufbahn gegründet. Nicht alle haben funktioniert, manche hat er verkauft oder geschlossen. Mit der Gründung der info-e-motion GmbH im Jahr 2011 verwirklichte er schließlich seine Idee eines papierlosen Büros und legte somit den Grundstein für eine Zukunft des digitalen Arbeitens. In seinem Büro im 16. Stock des alle anderen Gebäude überragenden Büroturms in Berlin-Tempelhof genießt René Zimmer einen grandiosen Ausblick. Hier hat die Zimmer-Gruppe bereits seit sechzehn Jahren ihren Sitz. Es ist das Zentrum der rund 140 Stammkunden, die sich über ganz Berlin verteilen. Dabei betreuen Zimmer und seine Mitarbeiter insgesamt 320 Server – „ping of life“ nennt er das eigens programmierte Überwachungsprogramm, angelehnt an die Vitaldatenmonitore in Krankenhäusern. Darüber hinaus beraten sie auch Unternehmen mit Schwerpunkt auf Prozessoptimierung.

 

Work-Life-Balance für die Mitarbeiter


Zimmer sieht seine Aufgabe darin, den Menschen etwas zu geben, womit sie ihr eigenes Leben verbessern können: „Wenn ich arbeiten kann, wann und wo ich möchte, lässt sich eine bessere Integration von Leben, Freizeit und Beruf schaffen.“ Alle seine Mitarbeiter verfügen über Orts- und Zeitsouveränität – für ihn ist eine gute Work-Life- Balance die Voraussetzung für kreatives und effizientes Schaffen. Ergebnisorientiertes Handeln statt Arbeiten nach Zeit.

 

Papierlos, nur dort wo es Sinn hat


Zimmers Grundsätze sind Mobilität, Effizienz und Transparenz. Wenn alle Vorgänge auf allen Arbeitsplätzen transparent sind, und in einer digitalen Mappe einzelne Schritte übersprungen werden können, dann ließen sich bürokratischer Aufwand reduzieren und Entscheidungsprozesse beschleunigen, davon ist Zimmer überzeugt. Hinter seinen Ambitionen steckt aber auch ein Umweltgedanke: Es werden nicht nur Holz und Wasser für die Papierproduktion eingespart, sondern auch Transport und Lagerung entfallen. Der zusätzliche Stromverbrauch, der durch das digitale[ Arbeiten entsteht, ist verglichen damit unerheblich. Doch trotz der vielen Vorteile funktionier papierloses Arbeiten nicht in allen Bereichen. „Es hängt vom Endprodukt ab“, erklärt Zimmer. Dort, wo nur die Information wichtig ist, könne man ein digitales Medium verwenden. Zählt jedoch die Haptik, so darf das Medium im Herstellungsprozess nicht fehlen. Das Büro der Zukunft wird also nicht vollständig papierlos sein, aber immer digitaler.

 

Effizienter Arbeitsplatz


Mittlerweile stellen immer mehr Unternehmen um auf das Modell des „Flexible Office“, auch „Shared Desk“ genannt. Zusammen mit der Deutschen Bahn arbeitet Zimmer zurzeit an einem Projekt, bei dem genau dies deutschlandweit umgesetzt werden soll. Flexible Office ist eine Organisationsform, bei der mehr Arbeitsplätze als Mitarbeiter existieren. Dabei wird stets abgestimmt, wer den Arbeitsplatz zu welcher Zeit nutzt. „Wenn weniger Fläche und Raum verfügbar sind, muss weitgehend papierlos an den Plätzen gearbeitet werden“, so Zimmer. Für ihn ist das Projekt mit der Bahn die Chance, seine Philosophie des papierlosen Büros zu verbreiten und einen Beitrag zu einer besseren und effektiveren Arbeitsorganisation zu leisten.

 

Der Kunde entscheidet


Neunzig Prozent aller Kunden der Zimmer-Gruppe sind kleine und mittelständische Unternehmen. Gerade für diese stellt die Digitalisierung noch eine große Hürde dar. Doch Zimmer mahnt: „Es ist nicht entscheidend, was ich als Unternehmer möchte. Es ist entscheidend, was der Kunde möchte. “ Zimmer will vor allem kleine und mittlere Unternehmen unterstützen, auch wenn diese mehr Zeit als erwartet bräuchten, um die Vorteile und die Gesamtbedeutung des digitalen Arbeitens zu erkennen. Für die Zukunft hat Zimmer genaue Pläne. Bisher hat die Zimmer-Gruppe nur eine Niederlassung in Berlin. Bis 2020 soll die Gruppe jedoch an mindestens fünf weiteren Standorten in Deutschland vertreten sein und dort Unternehmen mit digitalen Stiften betreuen.

Vor allem aber wünscht sich Zimmer mehr Partnerschaften: „Ich bin ein Freund von Partnerschaften. Ich gehe sehr offen mit meinem Wissen um, auch vor dem Hintergrund und dem Bewusstsein, dass es andere kopieren. Das will ich. Ich möchte kopiert werden. Es gibt kein höheres Lob, als wenn ein Konkurrent einen kopiert, dann hat man was richtig gemacht.“ Der Kunde entscheidet, wohin der Weg geht – und auf die kreativen Köpfe, die dies früh genug erkennen, setzt Zimmer seine Hoffnungen.

 

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